Der Tag der Arbeit / Von Helmut Müller Ei Gude, wie?

Helmut Müller

Der 1. Mai wird als Tag der Arbeit, Tag der Arbeiterbewegung, Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse oder auch als Maifeiertag bezeichnet. Er ist in Deutschland und in vielen anderen Staaten ein gesetzlicher Feiertag. Bei uns wurde der 1. Mai nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 durch den Alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur eingeschränkt durchgeführt werden.

Der Versuch der Weimarer Nationalversammlung, am 15. April 1919 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu bestimmen, hatte nur begrenzt auf das Jahr 1919 Erfolg. Für das Gesetz, das nur auf den 1. Mai 1919 beschränkt war, stimmten SPD, DDP und Teile des Zentrums. Während die bürgerlich-rechte Opposition sowie weite Teile des Zentrums die Einführung des Tages der Arbeit als Feiertag überhaupt ablehnten, ging der USPD das Gesetz nicht weit genug.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der 1. Mai ab 1933 durch die Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag. Das Reichsgesetz vom 10. April 1933 benannte ihn als „Tag der nationalen Arbeit“. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland gleichgeschaltet, die Gewerkschaftshäuser gestürmt und die Vermögen beschlagnahmt. „Geboren“ ist dieser „Feiertag“ in den USA. Die große Forderung, die er trug, war der acht Stunden Arbeitstag. Für heutige Generationen eine Selbstverständlichkeit. Die Weiterentwicklung von der fünf Arbeitstage Woche mit 40 Arbeitsstunden zur 35 Arbeitsstundenwoche stagniert zurzeit. Alleine diese Betrachtung von damals bis heute zeigt interessante Parallelen auf. Es sind die gleichen Kräfte, wie am 1. Mai 1890, die dies zu verhindern versuchten, als im Deutschen Reich 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter in Streiks und Demonstrationen dafür gekämpft haben. Die Vorgeschichte begann in den USA zum Ende des Bürgerkriegs 1865, als die amerikanischen Gewerkschaften erstmals die Forderung nach der Einführung des Achtstundentages erhoben.

Bis in die 1860er Jahre galten in den meisten US-Betrieben Arbeitszeiten von elf bis 13 Stunden, erst dann konnten sie den Zehn-Stunden-Tag als Regelarbeitszeit durchsetzen. Es sollten weitere beinahe zwanzig Jahre vergehen, bis sie 1884 die allgemeine und verbindliche Durchsetzung einer täglich achtstündigen Arbeitszeit in Angriff nahmen. Sie beschlossen, am 1. Mai 1886 dafür einen mehrtägigen Generalstreik zu führen. Noch stand nicht der Termin, sondern die Forderung im Mittelpunkt. Der Grund für die Terminwahl war ein völlig banaler und wenig zur Mythenbildung geeignet. Der 1. Mai galt in den USA traditionell als „Moving Day“, als Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel. Der acht Stunden Tag sollte in die neuen Verträge aufgenommen werden. Dafür traten am 1. Mai 1886 circa 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben der USA in den Streik. Wer heute behauptet, Gewerkschaften seien überflüssig, führt nichts Gutes im Schilde. Sein Ansinnen ist ein Zurück in die Jahre vor 1865. Das sollten wir verhindern. Ei Gude, wie!

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