Es ist noch nicht vorbei

Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP), Kreistagsabgeordneter

Wer heute schon von einer Post-Coronazeit spricht und glaubt, das Virus sei besiegt, ist entweder naiv oder handelt fahrlässig. Verantwortungsvolles Handeln ist weiterhin die konsequente Bekämpfung der Pandemie, denn bei genauer Betrachtung kann man davon ausgehen, dass uns das Coronavirus mit seinen verschiedenen Mutationen und Varianten noch länger beschäftigen und einschränken wird. Man muss nur über die Grenzen des Main-Kinzig-Kreises blicken und wird feststellen, dass in einigen Ländern, wie Brasilen oder Indonesien, das Virus noch wütet und auch unzählige Menschenleben kostet.

Aber auch in Europa mehren sich die Rückschläge in der Bekämpfung der Pandemie. Die nun wieder steigenden Inzidenzwerte, unter anderem ein Resultat des leichtfertigen Handelns, sind erste Belege dafür, dass man weitere Infektionswellen befürchten muss. Man darf nicht vergessen, dass gerade junge Menschen noch nicht das Glück hatten, ein ausreichendes Impfangebot erhalten zu haben. Erschwerend kommt hinzu, dass es für unter 12-jährige bislang überhaupt keinen zugelassenen Impfstoff und für Minderjährige darüber hinaus keine allgemeine Impfempfehlung der STIKO gibt. Auch deswegen bereitet die sich rasant verbreitende und hochansteckende Delta-Variante Virologen und Epidemiologen derzeit Sorgen, zumal die Langzeitfolgen auch nicht hinreichend bekannt sind.

Man muss deswegen damit rechnen, dass Kinder und Jugendliche von einer erneuten Infektionswelle besonders betroffen sein werden. Diese Generation kann aber nichts dafür, dass Deutschland eine chaotische Impfstrategie entwickelt hatte und der Main-Kinzig-Kreis eher eine bundesweite Impfschnecke war. Nein - Sorglosigkeit der älteren Generationen wäre hier fatal. Es ist vielmehr wichtig, dass eine Generationsgerechtigkeit eingehalten wird und Solidarität unter den Generationen dazu führt, dass das Risiko für die jüngeren Generationen minimiert wird. Dazu gehört insbesondere, dass die Bevölkerung sich weiterhin impfen lässt, denn Impfverweigerer tragen dazu bei, dass das Infektionsrisiko steigt, statt sinkt.

Aber auch die Kommunalpolitik ist aufgefordert, dass geeignete Maßnahmen geschaffen werden, damit die Schülerinnen, Schüler und die Studierenden in den Schulen und Hochschulen ideale Bedingungen antreffen. Wenn Ende August, die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule gehen, sollten die Luftreinigungsanlagen in allen Schulen installiert sein. Die fadenscheinigen Argumente führender Kommunalpolitiker, dass diese unter anderem Lärm machen würden, zeigen eher, dass das Problem nicht konsequent erkannt worden ist. Damit ist zu befürchten, dass die Aussagen im Koalitionsvertrag der SPD-CDU Koalition eher ein Lippenbekenntnis ist. Immerhin müssen für mehr als 125 Schulen und mehr als 1200 Klassenräume mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. Dazu wird man circa zwei Millionen und Zeit für die Beschaffung brauchen. Sonst besteht wieder anfangs ein Mangel, wie bei den Masken oder dem Impfstoff. Dass man natürlich in Wahlkampfzeiten eher positive Nachrichten verbreiten will, ist zwar nachvollziehbar, aber in diesem Fall vollkommen unangebracht.

Vielmehr sollte eine Gesellschaft insbesondere auf ihre Zukunft achten und dafür braucht man ein funktionsfähiges Bildungssystem und einen ausreichenden Schutz für die gesamte Bevölkerung. Eine Reduktion der Testpflicht auf drei Tage in der Woche dürfte nicht eine ausreichende Maßnahme sein. Vielmehr muss geimpft werden und Luftreinigung hergestellt werden.

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