Solidarität ist Zukunft

Sascha Raabe

Unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ fanden in diesem Jahr die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai statt. Meine Bundestagskollegin Bettina Müller hat bereits in der vergangenen Woche an dieser Stelle zu Recht darauf hingewiesen, dass dazu bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne in sozialen Berufen wie der Pflege gehören. Solidarität müssen wir darüber hinaus mit allen Menschen zeigen und für diejenigen leisten, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dazu zählen nicht nur die von Schließungen betroffenen Berufsgruppen, sondern auch Menschen, die über wenig Einkommen verfügen oder in engen Wohnverhältnissen leben. Durch die Schließung der Schulen sind viele Kinder aus finanziell schwachen Familien besonders benachteiligt worden. Denn in beengten Wohnverhältnissen ist Homeschooling und ruhiges Lernen sehr schwierig. Auch Nachhilfeunterricht können sich viele Eltern nicht leisten.

Deshalb ist es gut, dass auf unsere Initiative hin die Bundesregierung ein spezielles „Corona-Aufholprogramm“ in Höhe von zwei Milliarden Euro beschlossen hat. Mit dem Nachhilfe- und Sozialprogramm sollen speziell die Corona-Langzeitfolgen für Kinder und Jugendliche abgemildert werden. Dabei geht es um Nachhilfe- und Förderprogramme zum Beispiel unter Mithilfe pensionierter Lehrer, aber auch durch kommerzielle Anbieter. Ebenso ist die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Hier geht es zum Beispiel um mehr Geld für Sprachförderung an Kitas in „sozialen Brennpunkten“. Und auch eine stärkere Förderung von Schulsozialarbeit, Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten ist geplant.

Die Infektionszahlen sind in Stadtteilen mit engen Wohnverhältnissen viel höher als in Wohngegenden mit viel Platz und Garten. Laut einer groß angelegten Studie aus Irland (232.000 untersuchte Fälle) finden auch unter Berücksichtigung der britischen Corona-Mutation 99,9 Prozent der Infektionen nicht im Freien, sondern in Innenräumen statt. Deshalb sind Ausgangssperren weder sinnvoll noch verhältnismäßig, weil sie bei nun immer länger und wärmer werdenden Tagen zu einer gefährlichen Verlagerung sozialer Kontakte von draußen in Innenräume führen. Das verschärft die Lage insbesondere für benachteiligte Menschen in engen Wohnverhältnissen.

Hoffnung macht aber der große Fortschritt bei den Impfungen, der Tag für Tag die Zahl der Neuinfektionen und schweren Krankheitsverläufe mindern wird. Impfungen sollten verstärkt in „sozialen Brennpunkten“ mit hohen Inzidenzen durchgeführt werden.

Auch in Entwicklungsländern sind die Infektionszahlen dort besonders hoch, wo die Menschen in Armenvierteln eng gedrängt leben müssen. Deshalb sollte die EU überschüssige Impfdosen den Entwicklungsländern kostenlos zur Verfügung stellen. Das ist nicht nur eine Frage der Solidarität, sondern auch in unserem eigenen Interesse. Denn eine Pandemie können wir nur weltweit besiegen.

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